Von Severin Lüthi bis Dominic Stricker

Tenissspieler:innen welche aus unserer Region stammen oder mit dem Berner Oberland verbunden sind sorgen immer wieder für Furore, nicht nur im Kanton Bern oder in der Schweiz – sogar weltweit.
.

Karin Pelizzari-Stampfli
Valentina Ryser
Karin Schlapbach
Natalie Tschan

Claude Benz
Severin Lüthi
Dominic Stricker

Karin Pelizzari-Stampfli 1963

In die Beletage des Tennissports reichte es ihr nicht. Aber Karin Pelizzari-Stampfli klopfte zumindest an deren Tür. Die Thunerin war die drittbeste Schweizerin und 1987 die Nummer 362 der Weltrangliste. Damals war sie 24 – bereits zuvor hatte sie die Qualifikationsturniere sämtlicher Grand-Slam-Events bestritten. 
Pelizzari-Stampfli feierte einige beachtliche Erfolge. 1982 holte sie in der Halle den Schweizer Meistertitel, sie bezwang einmal gar die Britin Sue Barker, ihrerseits einst French-Open-Siegerin. Und sie gehörte zum Kader des Schweizer Fed-Cup-Teams. 
Nach ihrem Rücktritt spielte die Rechtshänderin noch lange in Thun NLB-Interclub. Pelizzari-Stampfli hat drei Kinder und arbeitet in Thun als Physiotherapeutin. phr 2021_10


Valentina Ryser 2001

Die Geschichte von Valentina Ryser dürfte noch ums eine oder andere Kapitel angereichert werden: Gerade mal 20, ist sie längst nicht am Ende ihrer Entwicklung angelangt. Als Dreikäsehoch begann sie in Heimberg mit dem Tennisspielen. Wenngleich sie rasch Fortschritte erzielte, wurde sie bei nationalen Kaderselektionen jahrelang übergangen. 
Dass sich manch Experte irrte, verdeutlichen die Zahlen: Die Thunerin ist die Nummer 17 der Schweiz und figuriert im WTA-Ranking auf Position 573 (Stand: Oktober 2021). Bei den Juniorinnen spielte sie am Australian Open, am French Open und in Wimbledon. 
Betreut wird die Offensivspielerin von Zoltan Kuharsky, einem gebürtigen Ungarn mit Schweizer Pass, der einst Grössen wie Jennifer Capriati, Ana Schweinsteiger (geborene Ivanovic) und Anke Huber trainierte. 2021 gewann Ryser mit den Grasshoppers die Schweizer Interclub-Meisterschaft. phr 2021_10

Valentina Ryser: Der lange Atem zahlt sich aus (phr 2020_11)


Karin Schlapbach 1980

Ihre Generation hatte es in sich: Martina Hingis wurde im gleichen Jahr geboren (1980), Patty Schnyder war zwei Jahre zuvor zur Welt gekommen. Nicht nur deshalb bewegte sich Karin Schlapbach während ihrer Karriere zumeist etwas unterhalb des Radars. Die Steffisburgerin wurde gemeinhin unterschätzt, auch, weil sie lange fernab der Landesgrenzen aufschlug. Sie wurde von der amerikanischen Universität Pepperdine in Malibu, Kalifornien, engagiert, erhielt ein Stipendium und spielte drei Jahre lang in der College-Meisterschaft. Dazu erlang sie den Bachelor-Abschluss in Psychologie. 
Im Einzel reichte es Schlapbach zu WTA-Rang 693, im Doppel schaffte sie es 2005 auf Platz 447. Die langjährige Thuner Interclub-Spielerin war die Nummer 9 der Schweiz und nahm 2001 an der Universiade in Peking teil. phr 2021_10


Natalie Tschan 1971

Die gebürtige Bernerin ist längst eine von «hier». Seit Jahren spielt Natalie Tschan in Thun Interclub, derzeit gehört sie zum NLA-Team, welches in der Kategorie 30+ um den Titel kämpft. Tschan war die Nummer 5 der Schweiz und die 242 der Welt, nach der Schule machte sie das Handelsdiplom, trainierte im nationalen Leistungszentrum in Burgdorf und setzte eine Zeit lang voll auf die Karte Tennis. Sie gewann unter anderem ein mit 10’000 Dollar dotiertes WTA-Unterbauturnier – ihre grössten Erfolge feierte sie aber im Doppel. An der Seite Emanuela Zardos wurde sie mehrfache Schweizer Meisterin und erreichte am Australian Open gar die 2. Runde. In der Weltrangliste figurierte sie zwischenzeitlich an Position 107.
Tschan gewann mit Beaumont Bern die Interclub-Meisterschaft und einst auch den prestigeträchtigen Wohlensee-Cup. Sie ist 50-jährig und hat einen Sohn. phr 2021_10

«Ich finde die Atmosphäre im Tennis einfach toll!»


Claude Benz 1992

Er spielte Turniere in Kuwait und im Iran, in Indonesien und Thailand, in Paraguay und Chile. Claude Benz reiste um die halbe Welt, getrieben vom Ziel, den einen oder anderen ATP-Punkt zu gewinnen. Tatsächlich fand er Aufnahme in der Weltrangliste, zu mehr als Platz 1061 im Einzel und 995 im Doppel reichte es Benz während seiner zwei Saisons auf der Future-Tour jedoch nicht.
Der Thuner, 1992 geboren, hat seine Profikarriere längst beendet. Dem Tennis ist er treu geblieben, einerseits als nebenberuflicher Coach im Raum Bern, andererseits als Captain und Stammspieler der NLB-Interclubmannschaft des TC Thun. Benz’ grösste Erfolge waren 2010 die beiden Schweizer Meistertitel bei den U-18 sowie im gleichen Jahr der Gewinn der Bronzemedaille an der U-18-Europameisterschaft in Klosters. Der Linkshänder mit viel Spielwitz nahm einst auch am Qualifikationsturnier des Gstaader ATP-Turniers teil und gewann 2018 das nationale Masters der Clubmeister in Biel. phr 2021_10


Severin Lüthi 1976

Muss man ihn tatsächlich noch vorstellen? Severin Lüthi ist sogar im Welttennis längst eine Marke, den Leuten rund um den Globus ein Begriff. Er war einst Sparringpartner von Martina Hingis, vor allem aber begleitet er seit 2007 als Coach Roger Federer auf der ATP-Tour, feierte mit ihm diverse Grand-Slam-Titel. Bereits zwei Jahre zuvor begann seine Arbeit mit dem Davis-Cup-Team, als Captain feierte er 2014 den Sieg im Mannschaftsbewerb gegen Frankreich. 2017 wurde Lüthi als Schweizer Trainer des Jahres ausgezeichnet.
Aufgewachsen ist Lüthi in Stettlen, mittlerweile ist er 45, verheiratet und wohnhaft in Thun. Vor der Jahrtausendwende versuchte er sich selbst als Profi: Bei den Junioren bezwang er einen gewissen Gustavo Kuerten, er war Schweizer Meister (1993) und die Nummer 622 der Welt im Einzel respektive 448 im Doppel. Bereits mit 20 aber beendete er seine internationale Karriere.
Besonders wohl hat sich Lüthi schon immer im Team gefühlt: Mit den Grasshoppers holte er als Spieler und Captain diverse Interclub-Meistertitel, nun spielt er mit Thuns Jungsenioren in der NLB. phr 2021_10


Dominic Stricker 2002

Sein Aufstieg? Raketenhaft! 2019 war Dominic Stricker einfach ein ambitionierter Nachwuchsspieler. 2020 schon French-Open-Sieger bei den Junioren. Und 2021 bereits Schweizer Davis-Cup-Spieler. Nicht nur das: Stricker ist die Nummer 4 der Schweiz und vor allem die 269 der Welt (Stand: Oktober 2021). Er triumphierte am Challenger-Turnier in Lugano, erreichte an den ATP-Events in Genf und Stuttgart jeweils den Viertelfinal. Mit Marin Cilic schlug er einen ehemaligen US-Open-Sieger, mit Hubert Hurkacz den bisher letzten Federer-Bezwinger (Wimbledon 2021). Zudem reüssierte er an der Seite Marc-Andrea Hüslers in der Doppelkonkurrenz von Gstaad. 
Diverse Experten prophezeien dem Linkshänder, der 2020 zum Schweizer Nachwuchssportler des Jahres gekürt wurde, eine grosse Zukunft. Neben seinem Spielwitz fällt er vorab mit seiner Eigenschaft auf, zuzulegen, wenn er unter Druck gerät. 
Stricker lebt mit seiner Familie in Grosshöchstetten. Das Tennis-ABC lernte er im CIS Heimberg. Mit dem TC Thun ist er bis heute in Verbindung geblieben: Gemeinsam mit mehreren Jugendfreunden spielte er 2020 und 2021 in der NLB Interclub. phr 2021_10