Der Bundesrat hat den Sport links liegen gelassen!

Über zwei Millionen Menschen treiben in der Schweiz Sport. Zehntausende sind beruflich vom Sport abhängig, allein 1000 dürften ihr Einkommen mit dem Tennis generieren. All diese Menschen wurden an der Medienkonferenz des Bundesrates am 16. April ignoriert, der Sport schien schlichtweg kein Traktandum gewesen zu sein. Anscheinend fällt es der Landesregierung schwer, im Bereich des Sports zu differenzieren: Zwischen Einzel- und Teamsport, zwischen Vollkontakt- und Kontaktlosen-Disziplinen, zwischen Training, Wettkämpfen und Grossveranstaltungen. Im Sport bleibt der Lockdown bis am 11. Mai bestehen. Mindestens!

Versteht mich nicht falsch: Die am 16. März gefällten Entscheide des Bundesrats will ich in keinster Weise kritisieren. Der Lockdown war notwendig und richtig, und er hat bis anhin die erhoffte Wirkung erzeugt. Der Bundesrat dürfte in einer diffizilen Phase mit lauter Unsicherheiten richtig gehandelt haben.  

Doch nun brauchen wir eine Strategie, die aufzeigt, wie es weitergehen soll. Es gibt viele Sportarten, die unter Einhaltung der Schutzmassnahmen im Freien problemlos betrieben werden können. Hygienevorschriften, Social Distancing – im Tennis, Golf oder etwa in vielen Sparten der Leichtathletik wäre dies mindestens so effektiv umzusetzen wie z. B. in einem Gartencenter, Kosmetik- oder Tätowierstudio. Verschiedene Sportverbände (beispielsweise Swiss Tennis und Swiss Golf) haben Konzepte erarbeitet und in Bern vorgelegt. Swiss-Tennis-Präsident René Stammbach aber hält fest: «Es ist offensichtlich, dass der Cluster Sport – und da beziehe ich Swiss Tennis mit ein – in unserem Land eine zu wenig durchsetzungsfähige Lobby hat.» 

Das ist traurig und bedenklich, aber wahrscheinlich leider wahr. Auch das VBS mit dem Bundesamt für Sport scheint nicht stark genug zu sein, damit zwei Millionen Menschen und x-tausend mit dem Sport verknüpfte Arbeitsstellen an einer vielbeachteten Medienorientierung auch nur erwähnt werden. 

Bleibt zu hoffen, dass die Pandemie weiter kontrolliert verläuft und sich das BASPO und die Sportverbände auf Lockerungen nach dem 11. Mai verständigen und diese beim Bundesrat auch einbringen können.

Macht’s gut und bleibt gesund!

Roger Ammann
Präsident BO-Tennis

98’000 Vollzeitstellen, keine Lobby
Berner Oberländer/Thuner Tagblatt, Samstag 18. April 2020 (PDF)